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Vegan grillen: Nicole Just gibt Tipps und Tricks

Vegan Grillen mit GU Balance

Der Sommer kommt endlich, endlich (!) wieder und ich freue mich nicht nur auf viel Licht und laue Sommerabende, sondern ganz besonders darauf, meinen Grill nach einem langen Winter wieder zum Einsatz zu bringen! 

Ich beginne in jedem Jahr mit einer kleinen Frühjahrskur für meinen Holzkohlegrill. Der musste bestimmt auch bei Dir einige Monate im dunklen Keller oder möglicherweise sogar draußen verbringen. Er freut sich darum vor seinem ersten Einsatz über eine gründliche Reinigung, am besten zuerst mit einer milden Seifenmischung, einem weichen Lappen und viel Wasser, damit Schmutzrückstände gelöst werden und das Gehäuse nicht zerkratzt.

Zuletzt öle ich den frischgereinigten Rost noch einmal ordentlich ein. Ganz klassisch benutzt man dazu ja  eine Schweineschwarte. Da Tiere bei mir natürlich nie auf den Grill kommen, benutze ich stattdessen ein hocherhitzbares Pflanzenfett. Du kannst dabei auf Bratöle zurückgreifen, die Du unter dieser Bezeichnung auch im Handel findest, oder aber auf feste Pflanzenfette wie zum Beispiel Kokosfett. Nur native Öle, beispielweise kaltgepresstes Olivenöl, dürfen es nicht sein, deren Rauchpunkt liegt zu niedrig und sie würden über der Glut sofort verbrennen.

Der Grill ist also hübsch gemacht, aber was kommt in der veganen Küche eigentlich auf den Rost?

Vegan grillen ohne Vorbereitungszeit

Eigene, frische Kreationen machen natürlich mehr Spaß aber wer wenig oder gar keine Vorbereitungszeit hat, kann auch auf fertige Produkte zurückgreifen. Pflanzliche Grillwürstchen und Bratlinge findest Du in gut sortierten Supermärkten und Bioläden in der Kühltheke. Auch wenn es sich um Convenience-Ware handelt, nicht alle Produkte sind schlecht. Es gibt einige Hersteller, die auf künstliche Aromen oder andere Spielereien aus dem Chemiebaukasten verzichten. Am besten liest Du vor dem Kauf die Zutatenlisten genau durch. Stehen darauf Zutaten, die Dir nicht geläufig sind oder die Du selbst nicht verarbeiten würdest, lässt Du die Produkte lieber liegen. Später beim Grillen verlangen die veganen Würstchen nach einer kleinen Extrawurst: Weil sie oft relativ wenig Fett enthalten, sollten sie während des Grillens 1-2 Mal mit einem Bratöl eingepinselt werden. Das bringt mehr Röstaromen und einen schönen Glanz. Einschneiden musst Du die veganen Grillwürstchen vor der Zubereitung nicht unbedingt.

Frische Kreationen vom Grill

Jetzt aber zu den wirklichen veganen Grillgenüssen! Wenn Du nur ein paar Minuten mehr Zeit für die Vorbereitung Deiner Grillparty hast kannst Du aus dem Vollen schöpfen und Dich einmal quer durch den Gemüsegarten grillen. Zum Grillen besonders gut geeignet sind Paprikaschoten, Maiskolben, Zwiebeln, grüner Spargel, Auberginen, Zucchini, Kürbis, rote und gelbe Bete, Pilze, Fleisch- oder Ochsenherztomaten und selbst Kohlarten wie Spitz- und Weißkohl. Außerdem lassen sich auch Früchte wie Pfirsiche, Ananas und Feigen ganz großartig grillen.

Tipps zur Verarbeitung von Grillgemüse

Damit Du das volle Aroma aus dem Gemüse kitzeln kannst, schneidest Du die Stücke am besten nicht zu klein, damit sie nicht so schnell verkohlen oder durch den Rost rutschen. Wasserreiche Gemüsesorten wie Zucchini, Pilze und Spargel verlieren bei der Zubereitung ca. 20-30%  ihres Umfangs, das solltest Du beim Zuschneiden bedenken.

Besonders praktisch und obendrein natürlich lecker ist es, unterschiedliche Gemüsesorten auf Holzspieße zu stecken. Die Holzspieße werden vor Beginn der Zubereitung 1 Stunde ins Wasser gelegt, so verbrennen Sie später nicht. Bei der Breite der Gemüsestücke für solche Spieße variiere ich: Zucchini, Paprika und ganze Pilze garen sehr schnell durch, sie dürfen daher etwas breiter geschnitten werden, Pilze verwende ich – ja nach Größe – ggf. im Ganzen. Kürbis, Mais, Auberginen und Bete schneide ich etwas dünner, denn diese Gemüsesorten brauchen auf dem Grill am längsten.

Marinieren

Bevor das Gemüse aufgespießt wird, darf es einige Stunden in Marinade baden. Meine Lieblingsmarinade besteht aus jeweils einem Teil Öl und Ahornsirup, dazu gebe ich 5 Teile Bier. Die Marinade wird verquirlt und anschließend mit Salz und mittelscharfem Senf abgeschmeckt. Pfeffer kommt erst kurz vor dem Servieren frisch aus der Mühle dazu. Kurz vor dem Grillen stecke ich das Gemüse abwechselnd auf die Holzspieße. Wenn Du es herzhaft und rauchig magst,  probierst Du doch mal Räuchertofustücke, die Du mit auf die Spieße steckst. Mit der übrigen Marinade werden die Spieße während des Grillens 1-2 Mal eingepinselt. Marinadereste kannst Du übrigens wunderbar für die nächste Grillparty einfrieren.

Eine weitere, leckere Möglichkeit sind kleine Gemüsepäckchen. Besonders praktisch sind die, wenn auch Fleisch auf dem Grill liegt und es aus Platzgründen nicht möglich ist, den veganen Grillkomponenten einen eigenen Platz auf dem Grillrost zu reservieren. Zum Anfertigen von Grillgemüse-Päckchen kannst Du Alufolie oder ein gutes Backpapier verwenden. Das Gemüse wird nach Belieben vorher eingelegt oder direkt mit frischen Kräutern, etwas Öl und frischen Gewürzen verpackt. Da sich im Inneren der Päckchen heißer Wasserdampf anstaut und das Gemüse so gleichmäßig gegart wird, kannst Du diese Päckchen wunderbar in einer weniger heißen Grillzone an der Seite garen. Je nach Inhalt der Päckchen dauert das zwischen 20 Minuten (zartes oder sehr wasserhaltiges Gemüse) und ca. 45 Minuten (festere Gemüsesorten, Wurzelgemüse, Auberginen).

Mein bester Trick für leckeren Grilltofu

Neben dem bereits erwähnten, sehr würzigen, Räuchertofu kannst Du auch Naturtofu richtig lecker grillen und dazu verrate ich Dir meinen Lieblingstrick: Friere den Naturtofu vor dem Marinieren über Nacht direkt in der Verpackung ein. Einige Stunden bevor die Grillparty beginnt, taust Du ihn wieder auf (im heißen Wasserbad geht’s schneller) und presst vorsichtig, am besten durch Druck zwischen den flachen Handflächen, das überschüssige Wasser aus. Dieses Wasser ist der Grund, dass der Naturtofu Marinaden eigentlich nie richtig aufnimmt. Wenn das Wasser fehlt geht’s umso besser! Tupfe den Tofu nach dem Pressen noch einmal mit einem Küchenpapier ab und schneide ihn in ca. 1 cm dicke Scheiben. Die Scheiben können nun mariniert werden. Beispielsweise mit einer Mischung aus 1 TL Paprikapulver (edelsüß, scharf oder geräuchert), 1 TL getrocknetem Oregano und 30 ml neutralem Bratöl pro 400 g Naturtofu. Die Mischung mit einer dunklen Sojasauce (alternativ Tamari- oder Shoyusauce) und etwas Agavendicksaft oder Ahornsirup abschmecken und wer mag gibt noch 1-2 gehackte Knoblauchzehen, frisch geriebenen Ingwer oder etwas Orangensaft oder Bier dazu. Die Tofuscheiben anschließend 1 Stunde marinieren. Der Tofu nimmt nach dieser Behandlung die Marinade fast vollständig auf und schmeckt – von jeder Seite 1-2 Min. über der heißesten Zone gegrillt – einfach köstlich.

Ich hoffe, ich konnte Dir richtig Appetit auf das vegane Grillen machen und wünsche Dir einen tollen Sommer mit vielen Grillgelegenheiten!

Ihre Nicole Just

Über die Autorin Nicole Just

Buchautorin Nicole Just

Nicole Just ernährt sich seit 6 Jahren rein pflanzlich. Aufgewachsen als Enkelin eines Metzgers gehörte Fleisch für sie zuvor dazu. 2009 dann die Kehrtwende – von heute auf morgen: Aus Respekt vor dem Leben, für mehr Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Was zunächst wie eine Einschränkung anmutet, ist für Nicole Just eine kulinarische Offenbarung: Sie entdeckt den Genuss, die Leidenschaft für gutes Essen und für das Kochen ganz neu, gründet mit vegan-sein.de einen der erfolgreichsten Blogs zum Thema und kocht sich mit mittlerweile vier Kochbüchern in die Herzen ihrer Fans.

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